Archiv für November 2010

2. Zeckensalon am Fr., 26.11.2010

2. Zeckensalon zur Situation von Antifaschistinnen und Antifaschisten in Russland am 26.11.2010 um 20h im St. Pauli-Fanladen

Der Zeckensalon für alle kritischen St. Paulianer_innen

Viele haben’s befürchtet, manche haben’s geahnt: Trotz sportlichem Erfolg, finanzieller Gesundung und eitel Suff- und Sonnenschein, oder vielleicht auch gerade deshalb, hat sich eine Gruppe von Stänkerern, Miesmacher_innen und notorischen Nörgler_innen zusammengefunden, um der Supi-Dupi-Pauli-Mentalität in die Gesamtsuppe zu spucken. Denn diese wird zwar immer teurer und besser vermarktet, ist aber immer noch salzig und wird zunehmend ungenießbarer.

Die Rede ist von dem Zeckensalon, der seit September jeden letzten Freitag im Monat im Fanladen stattfindet. Die Idee dazu wurde in der Sommerpause geboren, von Leuten, denen ein linkes Selbstverständnis des FC Sankt Pauli wichtiger ist als der sportliche Erfolg und die der Meinung sind, dass sich Authentizität nicht verkaufen lässt. Der Zeckensalon soll eine offene Plattform sein um zusammenzukommen, sich zu vernetzen und ein Forum für Veranstaltungen zu bieten, die den Entsetzlichkeiten im Sankt Pauli-Kosmos und darüber hinaus Paroli bieten.

Die nullte Veranstaltung im September wurde als offenes Treffen ausgerufen, bei dem sich über die Ausrichtung ausgetauscht und der Zeckensalon letztlich gegründet wurde. Gut zehn Leute aus verschiedenen Zusammenhängen fanden sich ein und planten die erste „richtige“ Veranstaltung für den Oktober, bei der es um die Änderung der Stadionordnung ging. Auf Betreiben unseres Ex-Präsidenten Littmann gilt seit dem 01.09.2010 nämlich folgender Zusatz: „Weiter ist den Besuchern untersagt, durch Wort, Schrift oder Symbolik zur Gewaltanwendung aufzurufen oder diese zu verherrlichen sowie Gewaltanwendung jeder Art, es sei denn in Notwehr“. Dieser Paragraph öffnet der Willkür Tür und Tor und je nach Anwendung wird unser antifaschistisches Selbstverständnis, und nicht nur das, verunmöglicht. An jenem Abend im Oktober fanden sich rund 30 Menschen ein und diskutierten über die Intention dieses Zusatzes und wie mensch damit umgehen könnte. Vielen Dank an die Referenten, die sich für eine vorgetäuschte Podiumsdiskussion zwischen Fanvertreter und Präsidium zur Verfügung stellten und damit die Diskussionsrunde einleiteten. Streitbar ist, wie viel Naivität dem Verein bei der Änderung der Stadionordnung zuzuschreiben ist – alles in allem ist mensch sich aber darüber einig, dass diese Form von vorauseilendem Gehorsam und Scheinheiligkeit nichts mehr mit „non-established“ zu tun hat. Allerdings wurde auch kritisch die Schwierigkeit herausgestellt, die Fanszene hinsichtlich dieses Themas zu sensibilisieren. Auch in der breiten Masse des Millerntors scheint das Gewaltmonopol des Staates unverhandelbar und gerade das Thema „Gewalt“ mehr Reflexe denn Reflexion auszulösen – wie das mit roten Tüchern halt so ist.

Apropos rot: Die zweite Veranstaltung findet am 26.11.2010 um 20 Uhr statt. Das Alerta-Network wird über die Situation von Antifaschisten und Antifaschistinnen in Russland berichten, die dort wirklich ein hartes Los erwischt haben. Gewalttätige Angriffe von Faschos stehen dort auf der Tagesordnung und das in einer Qualität, die hier derzeit undenkbar ist. Die zweite Seite der gleichen Medaille ist die Kriminalisierung seitens des Staates, der gerade aktive Antifaschist_innen gegenüber stehen und auf eine russischen Gesellschaft fußt, in der Rassismus omnipräsent ist und sogenannte Minderheiten ständig Anfeindungen und Übergriffen ausgesetzt sind.

Wie immer ist um 18h vor jeder Veranstaltung ein offenes Plenum, zu dem jede_r kommen kann, die/der sich im Zeckensalon einbringen möchte oder Ideen, Anregungen und Kritik äußern möchte. Wir würden uns sehr freuen, unseren Kreis erweitern zu können. Also, wir sehen voneinander.

Vokü statt Catering! Tofu für alle und zwar umsonst und köstlich!

1. Zeckensalon am 29.10 im Fanladen

Spätestens die Geschehnisse rund um die Rostock-Blockade haben uns die Scheinheiligkeit der Legende vom Mikrokosmos Millerntor, der frei von allen Übeln wie Rassismus, Homophobie und anderen Widerlichkeiten sei, vor Augen geführt. Auch in unseren Blöcken fallen menschenverachtende Äußerungen oft ungestraft, sowohl auswärts als auch bei Heimspielen.

Unsere Fanszene scheint derzeit nicht in der Lage zu sein, dieser Entwicklung geschlossen und effektiv entgegenzutreten. Der politische Anspruch, der lange Zeit ein positives Alleinstellungsmerkmal Sankt Paulis war, ist heute auf den Konsens verkümmert, irgendwie „gegen Nazis“ zu sein. Doch selbst praktizierter Antifaschismus wird inzwischen von Teilen der Sankt Pauli-Fans als Verstoß gegen das Dogma der Gewaltfreiheit verurteilt. Wie an so vielen anderen Orten macht sich am Millerntor eine Bequemlichkeit breit, mit der es sich in der Kurve so gemütlich wie möglich gemacht werden soll, um für ein paar Stunden vom Alltag abschalten zu können. Der Zustand unserer Gesellschaft wird ausgeblendet, die Beschäftigung mit politischen Themen als störend empfunden und entsprechend abgelehnt.

Die Folgen sind verheerend, denn wer keine Ideale hat, kann auch nicht auf sie pochen, kann keine Energie zehren aus einer Utopie, für die es sich zu kämpfen lohnt. Wie soll mensch auf Nazischeiße reagieren, ohne einen gesellschaftlichen Gegenentwurf im Hinterkopf zu haben, der über den Rassismus produzierenden Status Quo hinausgeht? Einige Sankt Paulianer_innen sind zwar außerhalb des Stadions politisch aktiv, innerhalb des Millerntors findet heute aber so gut wie keine Agitation mehr statt. Dabei ist die Fanszene für politische Arbeit hervorragend geeignet, schließlich verbindet uns alle eine gemeinsame Leidenschaft. Wenn wir zusammenfinden, können unser hoher Organisationsgrad und der medial viel beachtete Raum Millerntor unsere Bemühungen positiv beeinflussen.

Für viele von uns ist der FC Sankt Pauli ein unglaublich wichtiger Teil ihres Lebens, in unseren jeweiligen Bezugsgruppen verbringen wir viel Zeit miteinander – was liegt da näher, als auf einer Busfahrt oder vorm Spiel am Fanladen auch mal über Politik zu quatschen? Um einen Anfang zu schaffen, haben wir den Zeckensalon ins Leben gerufen, der eine Plattform für alle Sankt Paulianer_innen bieten soll. Es ist egal, ob Du Mitglied in einem Fanclub bist, ob Du zu jedem Spiel fährst oder „nur“ die Heimspiele mitnimmst, ob Du auf italienischen oder britischen Support stehst – komm einfach vorbei und triff nette Leute.

Das Thema des ersten Zeckensalons wird die neue Stadionordnung sein. Auf Betreiben unseres Ex-Präsidenten Littmann gilt seit dem 01.09.2010 folgender Zusatz:
„Weiter ist den Besuchern untersagt, durch Wort, Schrift oder Symbolik zur Gewaltanwendung aufzurufen oder diese zu verherrlichen sowie Gewaltanwendung jeder Art, es sei denn in Notwehr“
Die damit einhergehende Problematik dürfte allen auffallen, bereits heute haben wir in unseren Kurven mehrere Fahnen und Doppelhalter, die unter Zuhilfenahme des neuen Passus‘ verboten werden könnten. Meist handelt es sich dabei um Gewaltaufrufe gegen FaschistInnen, aber selbst das Singen von Liedern wie „Bullenwagen klaun“ könnte in Zukunft theoretisch zu Problemen führen.

Am 29.10., dem Freitag vor dem Frankfurt-Heimspiel, wollen wir das Thema diskutieren und über unser weiteres Vorgehen in der Sache beraten.

1. Zeckensalon - Veranstaltung und Diskussion zur neuen Stadionordnung

0. Zeckensalon 24.09. im Fanladen

    0. Zeckensalon
    Hier der praktischerweise nochmal der ganze Text, in lesbar:

    Liebes Tagebuch,
    ich bin jetzt so und so viele Jahre Sankt Pauli Fan. Ich bin zu diesem Verein gekommen wie viele, weil ich von einer linken Fanszene gehört habe. Nun spielt Sankt Pauli wieder 1. Liga und die meisten wollen mit Politik nix am Hut ham. Zum Glück soll’s jetzt “Die Taverne zur durstigen Sankt Pauli Zecke” im Fanladen geben. Und das sogar monatlich. Da kann sich die Sankt Pauli Fanszene wieder politisieren, unabhängig von Fanclub- und Tribünenzugehörigkeit. Ich bin gespannt was da passieren wird, der Mensch, der mir das erzählt hat meinte da sei alles drin, ob nun Vorträge, Filme und Diskussionen oder einfach bei einem Freizeitkaltgetränk *hier beliebiges Adjektiv einfügen* Leute kennenlernen. Er sagte auch, dass sich bisher eine kleine Gruppe zusammengefunden hat, die aber noch Verstärkung in Form interessierter Menschen sucht. Zu diesem Zweck soll am 24.9.2010 ab ca. 19 Uhr das spektakuläre Treffen “NULL” stattfinden. Da soll sich dann die Organisationsgruppe zusammenfinden, um dann den ersten offenen Kaschemmenabend zu planen. Jeden letzten Freitag im Monat kann ich dann zusammen mit vielen Menschen in und um den FC Sankt Pauli im Fanladen abhängen und mein politisches Bewusstsein schärfen. Mies gut oder was? Dann kacken wir den Yuppies auf die Business Seats und brennen die Elbphilharmonie ab!
    VIVA LA REVOLUCION!