Archiv für April 2011

30.4 – Überregionale Demo gegen kapitalistische Zustände, für den Erhalt der Flora und das Recht auf Stadt!

Update: Bereits 63 Fanclubs unterstützen den Aufruf

Fühle Leidenschaft zu Ende,
Ein Mensch, er wird gefährlich.
Und all‘ die Emotionen kommen
Endlich einmal ehrlich.
Dein Platz ist in der Mitte,
Du darfst ihn nicht verlassen.
Ich will das Leben immer lieben,
Hier diesen Zustand will ich hassen.
[… But Alive]

Wie viel kann ein Verein ertragen? Wie viel kann ein Stadtteil ertragen? In Sankt Pauli eng verwoben wird beides erst zusammen zu etwas Einzigartigem. Nein, kein Ort, wo die Welt noch in Ordnung ist, sondern selbstverständlich auch ein Ort für Auseinandersetzungen gegen die ganze Scheiße, die einen unten hält. Nicht erst seit gestern sind Verein und Viertel von „Umgestaltungsprozessen“ betroffen. Grundsätzlich wäre gegen gewisse Umgestaltungen (ihr wisst schon, was ich meine und habt sicherlich auch eigene Ideen diesbezüglich) gar nichts auszusetzen, ganz im Gegenteil. Doch dieser Begriff mutet zynisch an, denn Umgestalten bedeutet hier Durchstylen, Aufhübschen, Vertreiben – kurz: Zerstören. Grundsätzlich wäre gegen eine gewisse Zerstörungswut (ihr wisst schon, was ich meine und habt sicherlich auch eigene Ideen diesbezüglich) gar nichts auszusetzen, aber hier geht es um die Vernichtung des Unbequemen und Widerborstigen, des Nicht-Verwertbaren oder dessen, deren Verwertung unangenehme Nebeneffekte haben könnte.

Die Veränderungen, die den FC Sankt Pauli betreffen, sind analog zu denen im Stadtteil und der gesamten Gesellschaft zu sehen. Das alternative Image wird vermarktet und mal mehr, mal weniger sensibel verwurstet. Alternativen, die sich als tatsächlichen Konterpart zur herrschenden Gesellschaftsordnung verstehen und sich nicht vor dessen Karren spannen lassen wollen, werden bekämpft. Meistens geschieht sogar beides. So ergeht es auch der Roten Flora, die in Reiseführern sowie Verfassungsschutzberichten gleichermaßen auftaucht. Das ist kein wirkliches Kuriosum, sondern ganz realer Kapitalismus. Auf diesen beruft sich auch, wenngleich ohne ihn zu benennen, Bürgermeister Olaf Scholz, der die Rote Flora gerne „so lassen würde“, aber bedauert, dass ihm die Hände gebunden seien durch Verträge mit jemandem namens Kretschmer, der gerne etwas Profitableres aus der Roten Flora machen würde. Zwei Seiten der gleichen Medaille.

Die Situation um die Rote Flora zeigt, dass wir weder die Politik die Dinge für uns regeln lassen sollten, noch darauf vertrauen können, dass die freie Marktwirtschaft weiß, was für uns das Beste ist. Wir wollen die Rote Flora erhalten, weil es in dieser Gesellschaft Orte braucht mit etwas mehr Freiraum als erlaubt; Orte der Erprobung, wie es trotz alledem anders laufen könnte. Und diese Orte muss mensch sich nehmen, sie am Leben erhalten und verteidigen – aller Widerstände zum Trotz. Sonst wird alles nur noch schlimmer.

Der Zeckensalon im April 2011

Haltet euch auf dem Laufenden unter florableibt.blogsport.de

Update: Unterstützt wird der Aufruf von:

1. Autohof St. Pauli, Abseitsfalle Alkohol – Antirassistisches Fussballsyndikat Wiesbaden, Alte Schule, Astrakörper, Arschrock Jugend St. Pauli, Bagdad Calling, Ballkult e.V. / Jolly Roger, Bezugsgruppe No Limit (BNL), Brackwasserpiraten, Breitseite, Bubus Brigade, Centuria Braun Weiß, Confused State of Mind (CSM), Cosa Nostra Sankt Pauli, Crazy Pauli Supportes, Dianas Darling, Die Spinner, Drugados, Electro Mob Sankt Pauli, Eskimo Punx Sankt Pauli, FC Sankt Pauli Fanclub Hafenklang, Fanclub Brown Panthers, Fanclub Grasgrüne Grashüpfe, Fanclub Zecke 11, Fanladen, FC Tortuga, Forza Sankt Pauli, Freibeuter1910 DD-Neustadt, Frittengeschwader Brung-Wiess, Gängeviertel, G.A.S., Gran Amor, Jauchekrebs, Kleine Mexikaner, Las Garrapatas Sankt Pauli (LGSP), Last Minute Sankt Pauli (LMSP), Milchschnitten, Nord Support, Old Dubliners, Pappboys, Paramatics Sankt Pauli – der Paramat, Partizans Heidelberg, Pommes Braun Weiß, Punkrock St. Pauli, Projekt Pauli, Ramba Zamba St. Pauli, Rhoihessefront, Sankt Pauli Mafia, S.C.H.E.I.S.S., Siegfried & Oi!, Smiley Faces, Sankt Pauli Exil Supporters Stuttgart, St. Paulis Finest, St. Pauli Syndikat, Sternschnuppen St. Pauli, Südwestbrigade, Südzecken Sankt Pauli, Supra, Tresenkurve, WKA Trullerbü, Wolperdinger Sankt Pauli, Xiberg Xindl St. Pauli, Zeckensalon

Auf geht’s Fanszene, Rote Flora bleibt!

Liebe Fanszene,

mit Freude haben wir heute zur Kenntnis genommen, dass es gegen Bremen doch nicht zu einem Geisterspiel kommt. Ein besonders großes Durchatmen gab es speziell bei uns vom Zeckensalon. Für den 23.4. haben mir nämlich einen kleinen Flora-Aktionstag am Millerntor geplant. Wie Ihr alle sicherlich der Presse entnommen habt, ist die Rote Flora akut räumungsbedroht. Viele von uns nutzen die Flora für eigene Aktivitäten (sei es Malen, Basteln, Vorträge, Partys, etc. oder stehen zumindest solidarisch zu ihr. Wir sind der Meinung, dass es gerade solche Orte wie die Rote Flora geben muss, in der ein anderes Leben (zumindest im Kleinen) erprobt wird.

Wir als Zeckensalon rufen dazu auf, sich mit der Roten Flora solidarisch zu zeigen. Für das Spiel gegen Bremen haben wir daher eine Choreo für den Erhalt der Flora geplant, an dem sich viele Fanclubs (am besten das ganze Stadion) beteiligen sollen. Wir wollen das Stadion wie bei den ‚Jolly Rouge‘-Protesten völlig in Rot erstrahlen lassen. Bringt also rote Fahnen, Puschel usw. mit. Gleicheitig fordern wir Euch auf, eigene Tapeten mit einem Bezug auf die Flora und dem Recht auf Stadt anzufertigen.

Zudem wird es einen Aufruf vom Zeckensalon geben, der am/um/im Stadion verteilt werden soll. Wir rufen Euch auf, diesen Aufruf als Fanclub zu unterschreiben. Dazu habt ihr bis einschließlich Donnerstag, den 21.4. (18 Uhr) Zeit. Bitte schreibt hierfür eine Mail an bringbacksanktpauli@gmx.de oder postet euren Fanclubnamen im entsprechenden Thread im Fanforum.

Euer Zeckensalon!

PS: Nicht vergessen, passt wie rote Faust auf’s blaue Auge: Die Kapitalismus-Kritik-Veranstaltung des Zeckensalons am 22.04.

UPDATE: 22.04 – Zeckensalon gegen Kapitalismus

Es gibt einen neuen Eintrag in das Tagebuch eines St. Pauli-Fans, das hier schon so oft zitiert wurde.

Liebes Tagebuch,

ganz schön krass, was in den letzten Wochen beim FC und im Viertel los war. Insbesondere die Proteste gegen die Kommerzialisierung bei meinem geliebten FC St. Pauli und die Gentrifizierung des Viertels haben mich nachdenklich gemacht.

Warum wird hier die Sozialstruktur und alles, was dieses Viertel ausmacht, rücksichtslos zerstört? Und was wäre, wenn der FC nicht versuchen würde, sich so schamlos zu vermarkten und Geld zu verdienen? Bundesliga wäre dann jedenfalls passé. Es scheint so als wären nicht nur die Spielregeln des Rasensports beim FC eine wichtige Grundlage, sondern noch viel mehr die Regeln der Marktwirtschaft. Der Fußball ist geprägt von der kapitalistischen Maschine, die unser Denken und unser Handeln bestimmt.

Mir kommt es so vor, als ob da ganz grundsätzlich irgendwas nicht stimmt, und ich habe die vage Vermutung, dass wir nicht selbst unser Leben organisieren, so wie wir das gut und vernünftig finden, sondern von einem System angetrieben werden, das selbst total verrückt und zerstörerisch ist. Ich hab keinen Bock, mich zum Sklaven machen zu lassen für dieses völlig sinnlose Wirtschaftswachstum, ich komm da nicht mehr mit, ich will da raus und bin genervt von der ganzen Kackscheisze. Das macht mich stinkwütend und ich frage mich, was denn nun genau das Problem ist, was geändert werden müsste und wie wir aus diesem ganzen Schlamaszl wieder raus kommen.
Da passt es mir ganz gut, dasz es beim nächsten Zeckensalon um Kapitalismuskritik gehen soll.

Edit: Den Text, auf dem das Referat basiert, findet ihr hier (aktualisierte Version): Capitalist Käckshizsl – Laienhafte Darstellung wertabspaltungskritischer Kapitalismuskritik Übrigens stellt der verlinkte Text nicht unbedingt die Meinungen der Zeckensaloncru dar, sondern es wird beim Zeckensalon lediglich der Teil über die „Grundformen kapitalistischer Normalität“ als Diskussionsgrundlage referiert.

Ergebnisse des März-Salons

Beim letzten Zeckensalon im Fanladen wurde über die aktuelle Situation der Roten Flora diskutiert. Viele Menschen aus unterschiedlichen Fanklubs und Stadionbereichen waren anwesend.
Viele der Anwesenden nutzen das autonome Stadtteilzentrum im Viertel in unterschiedlicher Weise oder halten zumindest das Bestehen der Flora aus unterschiedlichen Punkten und Motiven für wichtig und nötig.
Morgen laufen einige Klauseln aus, so dass der formelle Eigentümer Kretschmer ohne die Zustimmung der Stadt das Gebäude verkaufen kann. Kretschmer ließ auch letzten Freitag verkünden, dass er das Gebäude verkaufen will. Eine mögliche Räumung ist also näher gerückt.

But we‘re not gonna take it!

Um eben eine mögliche Räumung zu verhindern und im Vorfeld sich schon solidarisch mit der Flora zu stellen, wurde überlegt, welche Handlungsmöglichkeiten sich für die Fanszene in diesem Konflikt auftun. Beschlossen wurde u.a. eine Choreo „FLORA BLEIBT!“, die beim Spiel gegen gegen Bremen am 23.4. gezeigt werden soll. Eine eigene Choreogruppe hat sich zusammengetan, die sich am kommenden Donnerstag das erste Mal um 19 Uhr in der Flora trifft und dort eine Choreo entwerfen wird. Weitere MitstreiterInnen sind gerne willkommen. Kommende Basteltermine und was ihr als Fanclubs zu der Choreo am besten beitragen könnt, werden danach bekannt gegeben. Doch schon jetzt ist klar: Eigene Tapeten und ein in rot getunktes Stadion (Fahnen, Puschel etc,) bieten schon einmal einen gedanklichen Eckpunkt für die Choreo. Werdet auch selber aktiv!
Für die Choreo brauchen wir auch noch ein wenig Geld. Gegen Schalke werden Menschen mit Spendendosen rumlaufen, die Geld für die Choreo sammeln werden. Jeder Groschen ist Willkommen..

Gleichzeitig wurde beschlossen, dass es aus der Fanszene einen eigenen Aufruf für die überregionale Demo zum Erhalt der Roten Flora und einem Recht auf Stadt am 30.4. geben soll. Dieser Aufruf wird in der nächsten Woche veröffentlicht werden und soll von möglichst vielen Fanklubs unterschrieben werden. Verteilt wird dieser Aufruf in großer Auflage auch beim Spiel gegen Bremen. Weitere Infos dazu folgen.

Weitere Aktionen für den Erhalt der Roten Flora, eigene kleine Choreos oder ganz andere eigene Ideen werden gerne beim Spiel gegen Bremen gesehen. Bitte kommt auch zahlreich zu den Bastelterminen.
Last uns gemeinsam auch aus der Fanszene dafür sorgen, dass die Rote Flora erhalten bleibt!