Archiv für November 2011

Fr. 25.11. Referat & Diskussion: Sexismus im Allgemeinen und in der Fanzsene

Liebes Tagebuch,

wenn ich mal wieder dieses penetrante Gesabbel vom „anderen, supercrazy Kultverein“ über mich ergehen lassen muss, könnte ich kotzen. Nur ne hohle Marketingstrategie und höchstens dazu geeignet, dass sich auch ganz normale, angepasste Robots mal als hart rebellisch inszenieren können.
Es gibt jedoch auch bestimmte Aspekte des vermeintlichen „Andersseins“ beim FC St. Pauli, die mir sehr wichtig sind, die ich nicht als bloße Maskerade ohne Inhalt hinnehmen will, sondern für die ich kämpfen will. Ich bin gegen Diskriminierungen jeglicher Art!

Trotz gegenteiliger Bekundungen kommt es auch hier bei meinem FC häufiger vor, dass Mindeststandards/Selbstverständlichkeiten missachtet werden; isbesondere beim Thema Sexismus… Wer kennt sie nicht, die dumpf-besoffenen Männerbünde auf Auswärtsfahrten, die dann auch gerne mal mit Tittenposter und anzüglichen, vermeintlich tabubrecherischen, Herrenwitzen (Barth, Pocher und andere Brechmittel lassen grüßen) die peinliche Szenerie bestimmen? Oder sexistische Beschimpfungen im Stadion, dumme T-Shirts und Aufnäher, peinliches Pimmelfechten auf den Traversen u.s.w. Alles ganz normal in deutschen Fanszenen und auch beim FC St. Pauli leider häufiger zu beobachten und damit mein ich nicht nur die Striploge und manche Werbepartner (insbesondere Astra), die sexistische Kackscheiße vermitteln, sondern auch die ach so reflektierten linken Fans selbst.

Schlimmer noch: Manche Verhaltensweisen und Denkstrukturen scheinen so tief in uns verankert, dass es auch reflektierteren Leuten gelegentlich schwer fällt nicht in mainstream Verhaltensmuster zu geraten; besonders dann wenn die Emotionen vollends den Kopf beherrschen. Wobei ich das mit der Emoherrschaft gut finde, solange dabei nicht sämtliche Ideale am Stadioneingang zurück gelassen werden!
Naja, jedenfalls handelt es sich bei Sexismus um ein sehr sensibles Thema, das uns alle betrifft und das Teil unsrer Identität bzw. Persönlichkeit ist. Da muss eine_r sich immer wieder ganz schön mit sich selbst auseinandersetzten, gar nicht so easy… Super also, dass es in den nächsten Zeckensalons um die Themenbereiche Sexismus und Männlichkeit gehen soll.

Beginn ist am Freitag, 25.11. um 20h im Fanladen mit einem Referat aus der Fanszene und anschließender Diskussion zu Sexismus im Allgemein und beim FC St. Pauli und seiner Fanszene im Speziellen.
Klaro spielen hierbei unterschiedliche Vorstellungen, etc. eine Rolle und es gibt hoffentlich vielseitige Diskussionen.

„Zomia bleibt“-Demo 5.11. am Millerntorplatz

Wenn die den Wagenplatz wirklich räumen,
bin ich aber mit dabei und hau den ersten Bullen,
die da auftauchen ihre Köppe ein.
(frei nach Ton Steine Scherben)

Wir „leben“ in einer Gesellschaft, in der einem Menschen die Verachtung seiner eignen Spezies kaum noch übel genommen werden kann. In sofern ist ein zynisches Achselzucken auf das Treiben „der Politiker und Politikerinnen“ eher natürlicher Reflex als bewusste Reaktion. Hin und wieder aber schafft es jemand aus der Masse der Berufs-Menschenverachter_innen derart heraus zu stechen, dass sich etwas in der Masse derjenigen, die eigentlich gar keine Menschenverachter_innen sein wollen, aber zur Lohnarbeit systembedingt genötigt werden, etwas regt. Und dann zuckt bestenfalls nicht mehr die Achsel, sondern die Faust.

Warum entscheiden eigentlich andere, wo und wie wir wohnen? Hat eigentlich irgendjemand ein wirkliches Argument, dass für die Räumung des Wagenplatzes spricht? Es gibt keine Argumente, nur eine ideologische Linie, die alles von dem neoliberalen Verwertungszwang scheinbar oder tatsächlich, gewollt oder notgedrungen, Abweichende präventiv abtöten will. Das ist clever, denn niemand soll auf die Idee kommen, dass es auch anders gehen könnte, das alles ganz anders sein sollte.

Und damit kommen wir wieder zu den Menschenverachter_innen im Senat zurück, den armen Fackeln der kapitalistischen Verwaltung, und deren größten Leuchte, der plumpste Handlanger von allen: Markus Schreiber. Kommt sich vor wie King Louie, weil er ein mächtiger Mann mit einer großen Vision von einem sauberen Hamburg ist. Weit bringen wird er es allerdings nicht, den sein Karrierehöhepunkt war ein Zaun, der mittlerweile nicht mehr steht.

Also raus die Faust und nach dem Heimspiel gegen die SpVgg Fürth ab auf die Straße, für selbstbestimmtes Leben, gegen die Räumung des Wagenplatzes Zomia. Wir fordern Markus Schreiber auf, zurückzutreten und die Stadt zu verlassen.

Siehe auch Zomia, Zomia bleibt und Indymedia